Hausbesuch 4.0 ÔÇô Fernbehandlung bald auch f├╝r Heilpraktiker?

Hausbesuch 4.0

Fernbehandlung bald auch f├╝r Heilpraktiker?

M├Âchtest du von deinem Arzt nur am Telefon behandelt werden oder m├Âchtest du ihn auch einmal pers├Ânlich kennenlernen?

In dieser Folge geht es um eine aktuelle ├änderung im ├ärzterecht, allerdings betrifft diese ├änderung m├Âglicherweise auch den Heilpraktiker und den Heilpraktiker Psychotherapie. Schauen wir uns das Problem der Fernbehandlung zun├Ąchst mal zusammen an und ├╝berlegen dann inwiefern wir davon betroffen sind oder nicht. Ganz grunds├Ątzlich zur Fernbehandlung. Selbst Fernbehandlung bedeutet nichts anderes als, dass der Kontakt zwischen Arzt und Patient nicht pers├Ânlich stattfindet, sondern zum Beispiel per Telefon. Das haben wir vermutlich alle schon mal gemacht. Wir sind krankgeschrieben, liegen seit drei Tagen im Bett, es wird
irgendwie nicht besser, wir entscheiden uns nicht aufzustehen und zu unserem Hausarzt zu fahren, sondern ihn anzurufen. Wir erz├Ąhlen ihm unser grippaler Infekt geht irgendwie nicht weg, was sollen wir tun? Unser Arzt sagt so etwas wie naja dann bleiben sie noch zwei Tage im Bett und wir verl├Ąngern die Krankschreibung oder nehmen sie mal die doppelte Medikamentierung. In einem gewissen Sinne, auch wenn es erst mal banal klingt, ist das eine Form der Fernbehandlung. Das hei├čt der Arzt wei├č um unsere Krankheit, aber er kennt unsere aktuellen Zustand eigentlich nur indirekt. N├Ąmlich ├╝bers Telefon und behandelt uns indem er uns Anweisungen zur Besserung gibt. Diese Form der Fernbehandlung ist nichts Neues und wie gesagt den meisten von uns bekannt auf die ein oder andere Art und Weise. Neu ist allerdings, dass ab jetzt die Anamnese per Ferndiagnose m├Âglich wird.

Was bedeutet das konkret?

In dem Beispiel mit dem grippalen Infekt kannte der Arzt unseren Zustand. Er hat uns schon einmal untersucht und wei├č mehr oder weniger um den verlauf unserer Krankheit. Im Falle der Anamnese sieht es doch etwas anders aus. Wir stellen uns die Situation noch einmal vor. Wir wachen morgens auf, haben ein leichtes Kratzen im Hals und haben die Ohren zu sitzen. Wir rufen in der Arztpraxis an und schildern unsere Symptome und der Arzt stellt seine Diagnose auf der Basis der Symptome, die wir ihm geschildert haben. Das hei├čt er sieht uns nicht selbst, sondern h├Ârt sozusagen nur unsere Einsch├Ątzung unserer Gesundheit. Mittlerweile gibt es nat├╝rlich auch die M├Âglichkeit der Bildtelefonie, beispielsweise ├╝ber Skype oder Facetime. So gesehen k├Ânnte man sagen, sieht er uns nat├╝rlich schon, aber er ist nat├╝rlich darauf angewiesen, dass wir die Symptome halbwegs korrekt schildern. Denn beispielsweise anfassen kann er uns ja nicht. Jetzt ist die Frage, m├Âchte man das. Auf der einen Seite ist eine ferne medizinische Anamnese, das hei├čt eine Anamnese ├╝ber das Telefon nat├╝rlich praktisch. Wir m├╝ssen das Bett nicht verlassen, wir sitzen nicht in verstopften Wartezimmern herum und stecken auch keine Anderen an mit unserer Erkrankung je nachdem was es ist. Das hei├čt es gibt ein Haufen Argumente die durchaus daf├╝r sprechen in Zukunft zumindest bei leichten Erkrankungen so vorzugehen.

Was ist aber wenn die leichte Erkrankung keine wirklich leichte Erkrankung ist?

Wenn der leichte grippale Infekt tats├Ąchlich eine Bronchitis ist, die sich m├Âglicherweise zu einer Lungenentz├╝ndung ausw├Ąchst. M├Âchte man sich dann sozusagen auf die eigene Schilderung der Symptome verlassen beziehungsweise darauf, dass der Arzt ├╝ber den Fernsehschirm unsere Symptome richtig deutet bzw. eigentlich die Schilderung unserer Symptome richtig deutet? Das ist vielleicht Geschmackssache, vielleicht tats├Ąchlich ein Problem. Nichtsdestoweniger es ist erlaubt. Es ist ab jetzt m├Âglich.

Kommen wir jetzt aber zum Heilpraktiker.

In der Vergangenheit haben wir h├Ąufiger gesehen, dass die ├änderung f├╝r ├ärzte zumindest nachfolgend irgendwann sp├Ąter auch den Heilpraktiker betroffen haben. Ein Beispiel hierf├╝r ist das Werbeverbot. Fr├╝her war es ├ärzten in keinster Weise gestattet Werbung zu machen au├čer einem Schild drau├čen aufzuh├Ąngen. Mittlerweile ist das ganze in bisschen aufgeweicht und es gibt Facebookseiten, es gibt Homepages und es gibt zum Teil auch Werbeanzeigen f├╝r ├ärzte. Es wird mehr oder weniger akzeptiert. Ebenso wie f├╝r ├ärzte durfte der Heilpraktiker fr├╝her auch nicht f├╝r sich werben. Mittlerweile ist auch das aufgeweicht. Gem├Ą├č dieser Logik sozusagen k├Ânnen wir davon ausgehen, dass wenn ├ärzte mittlerweile eine Anamnese per Fernbehandlung beziehungsweise per Telefon machen d├╝rfen kann es gut sein, dass das uns Heilpraktikern ├╝ber kurz oder lang auch gestattet wird. Jetzt ist die Frage ob man das tats├Ąchlich anbieten m├Âchte. Dieser Service auf der eigenen Seite ist wesentlich einfacher f├╝r unsere patienten uns zu erreichen und nat├╝rlich k├Ânnen bestimmte Form des Coachings oder der Beratung auch durchaus ├╝ber das Telefon erfolgen. Letzten Endes tut die Telefonseelsorge ja eigentlich nichts anderes als gewisserma├čen eine Fernbehandlung vorzunehmen und auch da werden die Symptome ja vom Patienten nur am Telefon geschildert. Das hei├čt gem├Ą├č dieser ├ťberlegung ist eine Fernbehandlung durchaus m├Âglich. Auf der anderen Seite ist nat├╝rlich f├╝r viele Patienten, wenn man sich mal ein bisschen umh├Ârt das Hauptargument f├╝r den Besuch beim Heilpraktiker der intensive pers├Ânliche Kontakt. Das hei├čt was bei ├ärzten vermisst wird, n├Ąmlich das Gef├╝hl, dass man sich um einen k├╝mmern, dass seinem zugeh├Ârt wird, dass sich in unserem Fall der Heilpraktiker eben auch f├╝r die f├╝r die Biografie des Patienten interessiert beispielsweise oder f├╝r seine Krankheitsgeschichte und nicht nur diese acht bis zehn Minuten zeit hat wie bei den meisten Haus├Ąrzte. Das eben spricht halt f├╝r den Besuch beim Heilpraktiker. Die Frage ist also ob man sich durch diese Behandlung nicht eigentlich ein B├Ąrendienst erweist bzw. den Patienten das vorenth├Ąlt was sie eigentlich von ihrem Heilpraktiker erwarten. Hinzu kommt allerdings zurzeit noch eine ganz praktische Einschr├Ąnkung. Heilpraktiker d├╝rfen keine unentgeltliche Fernbehandlung vornehmen. Das regelt die Berufsordnung f├╝r Heilpraktiker. Die Berufsordnung f├╝r Heilpraktiker spricht allerdings von briefliche Fernbehandlung die verboten ist. Jetzt k├Ânnte man nat├╝rlich sagen, nun gut ob Brief oder Telefon das bleibt sich gleich. Es geht um die Fernbehandlung eine andere Deutung ist, dass diese briefliche Fernbehandlung so zu sagen, dass das Verbot dieser brieflichen Fernbehandlung noch aus einer zeit kommt, wo sich tats├Ąchlich in unserem Berufsstand viele Scharlatane herumgetrieben haben. Die eben auch und jetzt kommen wir auf das mit dem Begriff der Unentgeltlichkeit eben zum Teil auch umsonst Leistung angeboten haben, ohne dass mit den Klienten ein echter Behandlungsvertrag geschlossen worden w├Ąre. Mir sind also Beispiele bekannt wo Leute Briefe verschickt haben, auf denen Handabdr├╝cke zu sehen waren und durch Handauflegen wurden irgendwelche Kraftfelder ├╝bertragen oder irgendwelche positiven Energien verschickt. M├Âglicherweise ist diese Betonung dieser brieflichen Fernbehandlung erkl├Ąrt sich vielleicht daraus, dass man da gewissen Wildwuchs Einhalt gebieten will. Wir wissen ohnehin nicht so ganz genau was die Heilpraktiker eigentlich machen zumindest m├Âchten wir das ihre Patienten sch├╝tzen. Gewisserma├čen eine M├Âglichkeit warum diese briefliche Fernbehandlung so ausdr├╝cklich verboten wird.

Ein anderer Aspekt ist vielleicht auch der, dass wir mit unseren Patienten einen klaren Behandlungsvertrag schlie├čen m├╝ssen. Behandlungsvertrag bedeutet ganz konkret, wir bieten eine Leistung an, sagen wir mal eine Gespr├Ąchstherapie und unsere Patienten entlohnen uns daf├╝r. Durch die Summe, die wir pro Stunde eben verlangen, durch einen solchen klaren Vertrag entsteht nicht nur ein juristisches vVertragsverh├Ąltnis, das ist nat├╝rlich der Sinn der Sache, sondern es steht auch eine gegenseitige Verpflichtung. Wenn ich eine Leistung unentgeltlich anbiete dann entsteht im Prinzip keine Verpflichtung. Allerdings nochmal erschwerend f├╝r den Heilpraktiker, das laut dem Gesetz zur Werbung im Heilwesen die Fernbehandlung gar nicht beworben werden darf. Das hei├čt was wir nicht machen k├Ânnen ist auf unserer Homepage so was zu schreiben wie, „Rufen sie mich an und ich rufe zur├╝ck. Beratungen per Telefon“ m├Âglich oder sowas in der Richtung. Das geht nicht. Damit hat sich nat├╝rlich auch letzten Endes die Anamnese per Telefon erledigt oder per Fernbedienung erledigt. Denn wenn ich nicht wei├č, dass ich meinen Behandler auch anrufen kann zur Anamnese, dann wird er auch keine vornehmen. Das hei├čt wir haben es auf der Seite der Heilpraktiker im Gegensatz zu den ├ärzten mit einer sehr unklaren Situation zu tun. Wenn man das ganze noch mal zusammen fast w├Ąhrend es den ├ärzten jetzt ausdr├╝cklich erstattet ist eine Anamnese per per Telefon oder per Bildschirmtelefon zu machen, d├╝rfen die Heilpraktiker das noch nicht. Zumindest aber es ist m├Âglich dass ich das in Zukunft ├Ąndert. Ob wir das nun anbieten wollen das bleibt selbstverst├Ąndlich uns ├╝berlassen. Es gibt ja keinen Zwang dazu. Das hei├čt es ist auch sehr wahrscheinlich dass es auch viele ├ärzte gibt die das f├╝r sich v├Âllig ablehnen und sagen nein um Gottes Willen bei der Anamnese kann ich nur in Anwesenheit des Patienten machen. Letzten Endes muss das jeder f├╝r sich entscheiden als allerletztes Argument f├╝r heute w├╝rde ich allerdings noch den Datenschutz erw├Ąhnen wollen und das gilt sowohl f├╝r ├ärzte als auch f├╝r die Heilpraktiker. Letzten Endes sind sowohl Telefonleitung als auch des Internets nicht abh├Ârsicher, sprich es f├Ąllt mir schon schwer zu glauben dass jemand gerne sehr intime Daten an seinen Arzt weiter telefoniert in dem Wissen, dass das nat├╝rlich abgeh├Ârt werden kann bzw. mitgeschnitten werden kann. Dann m├╝sste man sich zumindest Gedanken machen wie man diese Verbindung zwischen Arzt und Patient sicher gestalten kann. So kommen wir mal zum Ende. Ihr seht das ganze ist diffizil und es betrifft uns tats├Ąchlich im Moment noch nicht, aber wir werden uns in Zukunft in jedem Fall damit auseinandersetzen m├╝ssen.

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